Vielen Dank, liebe Iren, …

… ihr habt Europa für einige weitere Jahre in die Krise gestürzt. “Follow the Dutch and the French vote”, lautete ein Plakat der Lissabon-Gegner, und so haben sie es gemacht. Weitere Argumente der Gegner waren erstunken und erlogen oder einfach absurd. Das Beste war dieses Plakat: „Israelische Soldaten haben 2008 52 palästinensische Kinder getötet, aber die EU hat keine Sanktionen verhängt. EU-Politik erleichtert israelische Verbrechen; deshalb stimmt gegen den Vertrag von Lissabon.“ Was hat das eine mit dem anderen zu tun?! Aber die Gegner waren sexier als die Befürworter. Die ganze Regierung war dafür, aber wenn vor kurzem erst der Premierminister wegen einer Korruptionsskandals ausgewechselt wurde, und wenn sein Nachfolger, seine Stellvertreterin und der irische EU-Kommissar sich damit brüsten, den Vertragstext gar nicht erst gelesen zu haben, traut dann das Volk seiner Regierung? Außerdem waren die „Ja“-Plakate ungefähr so bieder wie ein durchschnittliches Plakat eines CDU-Wahlkreiskandidaten in Deutschland (und das sage ich als CDU-Sympathisant): ein lächelnder Politiker, und ein Text mit der Aussage „Alles wird gut“. Nichts wird gut. Die Tagesschau wird ganz zynisch: „Klar ist, dass Europa eine Lösung gemeinsam mit Irland finden muss. Ein Austritt Irlands aus der EU wäre erst mit dem Vertrag von Lissabon möglich geworden.“


PS: Ausgerechnet heute fällt mir die irische Version der Euro-Sondermünze „50 Jahre Römische Verträge“ in die Hände – welche Ironie des Schicksals!

PPS: Ich blogge wieder. Die liegengebliebenen Sachen der letzten Wochen trage ich in den nächsten Tagen ein.

4 thoughts on “Vielen Dank, liebe Iren, …

  1. Auf CNN wurde durch den Europäischen Korrespondenten in London als Hauptgrund für die Ablehnung von Lisabon die Tatsache genannt, dass die Iren eigentlich keine Ahnung davon hatten, was eigentlich in dem Vertrag stand, was eigentlich ein Armustzeugnis ist, besonders wenn man zur Abstimmung geht. Frei nach dem Motto, “Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht” oder auf die Iren übertragen: “Was der Ire nicht kennt, unterstützt er nicht!” Zudem, und das wird auch von allen Seiten bestätigt, führten viele Gegner Argument auf, die (wie Christoph schon geschrieben hat) absolut keinen Wahrheitsgehalt haben. Ich möchte die Iren hier nicht verteidigen, aber irgendwie kann ich nachvollziehen, dass man bei Fehlinfos dann lieber dagegen stimmt, also sich anschließend was vorhalten lassen zu müssen. We therefore have to blame those, who provided the Irish with wrong information. And we have to blame those Irish citizens who just votet “NO” because they didn’t know any better! Und was lernen wir daraus? Niemals abstimmen gehen, wenn man nicht weiß, worum es geht und man sich nicht SELBER von den Argumenten überzeugt hat. Soweit ist es nun schon gekommen, dass man keinem mehr vertrauen sollte, alles selber machen sollte. Ist das nicht ein Armutszeugnis?

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